Am 13. Dezember 1972 schrieb die deutsche Politikgeschichte ein neues Kapitel: Annemarie Renger wurde als erste Frau an die Spitze des Deutschen Bundestages gewählt. Ihre Wahl markierte nicht nur einen Meilenstein für die Gleichberechtigung in der Politik, sondern auch den Höhepunkt einer langjährigen parlamentarischen Karriere.
Geboren wurde Renger am 7. Oktober 1919 in Leipzig. Schon früh prägten sie die politischen Überzeugungen ihrer Familie: Aufgrund der sozialdemokratischen Haltung ihrer Eltern musste sie 1934 das Augustagymnasium verlassen und erlernte anschließend den Beruf der Verlagskauffrau. In den Jahren bis 1945 arbeitete sie in Berlin in diesem Bereich, bevor sie in der Nachkriegszeit eine zentrale Rolle im SPD-Parteivorstand übernahm. Zunächst als Privatsekretärin des damaligen Parteivorsitzenden Kurt Schumacher tätig, leitete sie ab 1946 das Büro des Parteivorstandes und festigte sich so eine wichtige Position innerhalb der Sozialdemokratie.
Bevor sie Bundestagspräsidentin wurde, hatte Renger bereits von 1969 bis 1972 als parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion maßgeblich die Arbeit ihrer Partei im Parlament koordiniert. Nach ihrer Wahl als Bundestagspräsidentin leitete sie die Sitzungen des Bundestages in einer Zeit des politischen Umbruchs mit großer Autorität und Weitsicht.
Nach der Bundestagswahl 1976 wechselte die politische Konstellation, und die Union übernahm erneut die stärkste Fraktion. Damit endete Rengers Amtszeit als Präsidentin des Bundestages, doch ihr Vermächtnis als erste Frau in diesem hohen parlamentarischen Amt bleibt bis heute von historischer Bedeutung.
Bitte hinterlasse eine Antwort