Rosenstraßen-Protest 1943: Erinnern an den Mut der Frauen von der Rosenstraße

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Jedes Jahr Anfang März erinnert Berlin an ein außergewöhnliches Ereignis des zivilen Widerstands im Nationalsozialismus: den Rosenstraße-Protest. Anfang März 1943 erreichten mehrere hundert Frauen mit ihrem mutigen und beharrlichen Protest die Freilassung ihrer jüdischen Ehemänner aus der Haft. Dieses historische Ereignis steht bis heute als eindrucksvolles Beispiel dafür, dass selbst in einer Diktatur Zivilcourage und gemeinsames Handeln Wirkung entfalten können.

Ende Februar 1943 ließ das NS-Regime im Zuge einer neuen Deportationswelle tausende jüdische Bürgerinnen und Bürger in Berlin verhaften. Unter ihnen befanden sich auch viele jüdische Männer, die in sogenannten „Mischehen“ lebten und zuvor weitgehend vor Deportationen verschont geblieben waren. Sie wurden in einem Gebäude in der Rosenstraße festgehalten. Über mehrere Tage hinweg versammelten sich dort hunderte nichtjüdische Ehefrauen und Angehörige. Trotz Drohungen und der Gefahr eigener Repressionen forderten sie unermüdlich die Freilassung ihrer Männer.

Nach etwa einer Woche ordnete der damalige Reichspropagandaminister Joseph Goebbels schließlich die Entlassung der Inhaftierten an und erklärte die Verhaftungen öffentlich als Fehlmaßnahme der Gestapo. Selbst einige Männer, die bereits in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden waren, wurden wieder zurückgebracht und in ein Arbeitslager in der Nähe Berlins überstellt. Der Protest der Frauen rettete so zahlreichen Menschen das Leben. Gleichwohl plante das NS-Regime noch Anfang 1945 die Deportation aller in solchen Ehen lebenden Jüdinnen und Juden nach Theresienstadt – ein Vorhaben, das letztlich an der militärischen Lage und fehlenden Transportmöglichkeiten scheiterte.

Für uns heute bleibt die Erinnerung an die Frauen der Rosenstraße ein Auftrag: Ihr Mut mahnt, dass demokratische Gesellschaften von Menschen leben, die nicht schweigen, wenn Unrecht geschieht. Als Vizepräsident des Abgeordnetenhaus von Berlin ist es mir wichtig, diese Geschichte wachzuhalten und an die Kraft zivilen Engagements zu erinnern.

Dass diese Geschichte auch kulturell weitergetragen wird, zeigt der Film “Rosenstraße” der deutschen Regisseurin Margarethe von Trotta aus dem Jahr 2003, der das Geschehen eindrucksvoll aufgreift und einem breiten Publikum näherbringt. Als filmbegeisterter Berliner und Unterstützer des Kinos – unter anderem als Vorsitzender des Fördervereins des Kino Toni – weiß ich, wie wichtig solche filmischen Erinnerungsorte sind. Sie helfen dabei, historische Erfahrungen lebendig zu halten und neue Generationen für die Bedeutung von Mut, Solidarität und Menschlichkeit zu sensibilisieren.

Bildquelle: Wikipedia, Skulpturengruppe von Ingeborg Hunzinger und Anna Franziska Schwarzbach zum Rosenstraßen-Protest in Berlin-Mitte, 1995

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