Grüne Verkehrspolitik am Stadtrand: wie innovativer Nahverkehr ausgebremst wird

Blankenburg, ein Dorf im Norden Pankows, rund 6000 Menschen leben dort, ein S-Bahnhof ganz im Westen des Ortsteils verbindet es in nur etwa zwanzig Minuten mit der Berliner Stadtmitte. Aber: für viele Blankenburger liegt dieser S-Bahnhof mehr als vier Kilometer entfernt. Selbst der Bus auf der Hauptstraße ist für viele erst mit einem Kilometer und mehr Fußweg erreichbar.

 

Deswegen setzen sich viele Menschen dort seit Jahren für einen „Kiezbus“ ein, der vor allem älteren und weniger mobilen Menschen die Möglichkeit gibt, den öffentlichen Nahverkehr oder die Nahversorgung am Dorfanger zu erreichen. Nach jahrelanger Diskussion schien vor knapp 2 Jahren ein Durchbruch erreicht, als die Bezirksverordnetenversammlung Pankow mit der rot-rot-grünen Mehrheit die Mittel für einen Probebetrieb in der Investitionsplanung bereitstellte.

 

„Blankenburg soll aber offenbar noch lange auf einen Kiezbus warten“, ist der SPD-Abgeordnete Dennis Buchner frustriert, der sich in einer schriftlichen Anfrage (Ds. 18/26422) nach dem Umsetzungsstand erkundigt hat.

 

„Die BVG teilt mit, dass ein zwölf Meter langer Bus nicht alle Straßen befahren könne und das Bezirksamt weicht aus, indem man mitteilt, dass für die Ertüchtigung der Straßen kein Geld eingestellt sei. Ein einfacher Weg, Nichthandeln zu rechtfertigen“, erklärt der SPD-Bezirksverordnete Marc Lenkeit, der den BVV-Beschluss maßgeblich vorangetrieben hatte.

 

„Die schriftliche Anfrage zeigt das ganze Problem auf“, ergänzt Buchner. „Statt dass die grün geführte Pankower Verkehrsverwaltung mit der von einer grünen Senatorin geführten BVG an einer Lösung arbeitet, passiert einfach nichts.“ Und der Bezirksverordnete Lenkeit ergänzt: „Für viele in Blankenburg wäre es schon schön, wenn es überhaupt planbare Möglichkeiten gäbe, ins Zentrum des Dorfes zu kommen, selbst wenn dies zunächst kein Bus mit 70 Plätzen, kompletter Barrierefreiheit und im 20-Minuten-Takt wäre. Vielerorts in Berlin laufen Modellprojekte. Es muss doch machbar sein, wenigstens regelmäßige Fahrten mit einem kleineren Fahrzeug anzubieten. Wenn man es dann will. Menschen auch außerhalb des S Bahn Ringes für den öffentlichen Nahverkehr zu gewinnen, wird ohne entsprechendes Angebot sicher nicht gelingen.“

 

Die SPD wird den Kiezbus jedenfalls weiter einfordern.

 

Die gesamte Pressemitteilung finden sie hier.

Eine Antwort

  1. Ulrich Wüstenberg
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    “Wussten Sie schon, dass Sie in Berlin nie weiter als 500 Meter von einer Haltestelle entfernt sind?” behauptet die BVG seit Jahren vollmundig in ihrer Werbung.
    Ich habe viele Jahre in Blankenburg gelebt und kenne die Situation. Besonders prekär ist diese im Bereich Burgwallstraße. Da läuft man schon mal eine gute halbe Stunde zum S-Bahnhof oder über die Autobahnbrücke nach Französisch Buchholz. Jetzt wohne ich in Karow, wo es nur ein wenig besser aussieht. Knapp 1000 Meter Fußmarsch müssen etliche Bewohner in Kauf nehmen.
    Es gibt doch wunderbare Kleinbusse, wie sie auch in ländlichen Gebieten in Brandenburg im Einsatz sind. Die könnten hier problemlos verkehren.

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